Archiv für die Kategorie „Games“

project linda

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Auf der diesjährigen CES in Las Vegas hat Highend-Ausrüster Razer ein interessantes Konzept vorgestellt:

Das Project Linda getaufte Projekt ist die Verschmelzung von Smartphone und Laptop, so besitzt das Notebook keinerlei Prozessor und Grafikkarte, berichtet blog.deinhandy.de:

„Project Linda ist ein Laptop, der ganz ohne Prozessor und Grafikkarte auskommt. Stattdessen gibt es nur einen Bildschirm, eine Tastatur, einen starken Akku, eine große Festplatte und verschiedene Anschlüsse. Der Laptop ist eine Erweiterung für das Razer Phone, das Razer im vergangenen November vorgestellt hat, und kann nicht eigenständig benutzt werden. Erst durch die Hard- und Software des Smartphones wird er zu einem vollwertigen Gerät. Um beide miteinander zu verbinden, wird das Handy in eine Aussparung an der Stelle eingelegt, an der sonst das Touchpad eingelassen ist.“

Derzeit ist leider nicht bekannt ob und wann diese Idee jemals zu kaufen sein wird. Auch ASUS aus Taiwan beschäftigt sich seit 2014 mit dieser Vision.

Ein vorbestellbares, ähnliches Gerät liefert bisher nur ein französisches Startup, Miraxess, unter dem Titel Mirabook. Den Preis von 250$/217€ und ein Video des Geräts in Aktion findet man dort: blog.deinhandy.de/news-und-trends/10012018/ces-2018-razer-verbindet-smartphone-und-laptop.

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tokyo. 1992. in 1035i.

Die Experimente für hochauflösendes Fernsehen (HDTV) begannen in Europa wie in Japan in den 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Kommerzielle Fernsehsender in Deutschland brachten erst von 2005 bis 2008 ein Zusatzangebot in 1080i heraus, ARD und ZDF folgten standardmäßig sogar erst Anfang 2010 mit 720p.

Das Angebot war anfangs unpopulär, weil auf der einen Seite kaum ein Hersteller Geräte zum Aufnehmen von hochauflösenden Bewegtbildern anbieten konnte. Zum anderen gab es in den Haushalten keine entsprechenden Empfangsgeräte. Hinzu kam die fehlende Infrastruktur, die über Jahrzehnte erst mühsam aufgebaut werden musste.

Aus der Zeit des Experimentierens, genauer aus 1992, stammt auch folgendes Video:

Es zeigt Tokyo. In 1035i. 12 Minuten lang.

Japan hatte dem Rest der Welt etwas Kompliziertes voraus: dort konnte man dank einer Technik namens Hi-Vision analog(!) solche hochauflösenden Fernsehbilder übertragen. Der Standard, der das möglich machte, nannte sich MUSE und wurde am staatlichen Institut NHK in den 80er Jahren entwickelt.

Japan backt seit jeher eigene Technik-Brötchen und so verwundert es am Ende nicht, dass es auch nur einen einzigen Hersteller gab, der solche Bilder festhalten konnte: Sony. Ähnlich wie in Europa allerdings sah man darin zumindest für die Massen keine Weiterentwicklung auf kurze Zeit: Empfangsgeräte für solche Bilder kosteten so viel wie heute Neuwagen.

Dass ein HD-Fernseher heute in keinem Haushalt mehr fehlen darf haben wir am Ende auch der Videospielindustrie zu verdanken: mit der PS3 (2006) und XBOX360 (2005) kamen in den Nullerjahren das erste Mal HD-fähige Spielekonsolen auf den Markt. „Standardmäßiges HD“ wurde dort allerdings noch ähnlich wie bei den öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehsendern verkauft: 720p ein Muss, 1080p optional. Der HD-Fortschritt war teuer erkauft: viele meist kleine und unabhängige Spielehersteller trieb es aufgrund gestiegener Entwicklungskosten faktisch in den finanziellen Ruin.

Während in Japan 1992 einige Wenige bereits (fast) 1080i genießen durften, war ich in der dritten Klasse der Grundschule, musste im Musikunterricht „Die Gedanken sind frei…“ mitsingen, hatte seit zwei Jahren neue MitschülerInnen aus der Ex-DDR und spielte „Tetris“ auf einem GameBoy mit monochromem Display. Es war die selbe Zeit auf dem selben kleinen Planeten. Und doch befinden wir uns ein Leben lang in unterschiedlichen Welten.

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meltdown und spectre: auch xbox360 und ps3 verwundbar

Der miese CPU-Bug Meltdown betrifft nicht nur Intel. Nicht nur AMD und ARM sind von Spectre betroffen.

Hier berichtet jemand, wie er die beiden Hardcore-Hardware-Bugs auch auf der IBM-CPU der Xbox360 fand: https://randomascii.wordpress.com/2018/01/07/finding-a-cpu-design-bug-in-the-xbox-360/.

Mich machte das hellhörig. Auch die PS3 hat eine CPU von IBM drin, wenngleich in Zusammenarbeit mit Sony und Toshiba damals:

Cell BE CPU auf PS3-Mainboard, gefunden bei Wikimedia.org

Ich hatte noch eine alte PS3 mit Linux irgendwo rumstehen. Und mit diesem Tool hier, https://github.com/speed47/spectre-meltdown-checker, kann man seinen Prozessor unter Linux testen.

Das habe ich gemacht, hier das Ergebnis:

Spectre and Meltdown mitigation detection tool v0.16

Checking vulnerabilities against Linux 3.12.6-red-ribbon-powerpc64-ps3 #7 SMP Tue Jan 7 17:09:59 CET 2014 ppc64

CVE-2017-5753 [bounds check bypass] aka 'Spectre Variant 1'
* Kernel compiled with LFENCE opcode inserted at the proper places: UNKNOWN (couldn't find your kernel image in /boot, if you used netboot, this is normal)
> STATUS: UNKNOWN

CVE-2017-5715 [branch target injection] aka 'Spectre Variant 2'
* Mitigation 1
* Hardware (CPU microcode) support for mitigation: UNKNOWN (couldn't read /dev/cpu/0/msr, is msr support enabled in your kernel?)
* Kernel support for IBRS: NO
* IBRS enabled for Kernel space: NO
* IBRS enabled for User space: NO
* Mitigation 2
* Kernel compiled with retpoline option: NO
* Kernel compiled with a retpoline-aware compiler: UNKNOWN (couldn't find your kernel image)
> STATUS: VULNERABLE (IBRS hardware + kernel support OR kernel with retpoline are needed to mitigate the vulnerability)

CVE-2017-5754 [rogue data cache load] aka 'Meltdown' aka 'Variant 3'
* Kernel supports Page Table Isolation (PTI): NO
* PTI enabled and active: NO
> STATUS: VULNERABLE (PTI is needed to mitigate the vulnerability)

Wie man sieht:

* Meltdown: anfällig
* Spectre Variante 1: unbekannt
* Spectre Variante 2: anfällig

Ich hätte erwartet, dass zumindest beim Cell, dieser ungewöhnlichen „Supercomputer-CPU“, hier überall „unbekannt“ steht. -.-

Als Linux läuft hier die wohl letzte erhältliche Distribution für die PS3, „Red Ribbon GNU/Linux“ basierend auf Debian, die man sich hier als Live ISO herunterladen kann.

Liebe Grüße an IBM & danke! Wo kann ich jetzt meine Daten einklagen, die beim Zocken abgegriffen wurden!?

[Update I, 17.01.18]

Mir gefiel das Ergebnis überhaupt nicht, also trat ich mit Stéphane Lesimple in Kontakt, den Autor des oben benutzten Tools.

Leider prüft sein Tool die Hardware gar nicht.

Er checkt lediglich, ob ein Linux-Kernel die Patches gegen Meltdown und Spectre enthält. Das ist natürlich für meine Zwecke suboptimal, möchte ich doch eher herausfinden, welche Hardware betroffen ist in meinem Haushalt. Dass ich jeden Kernel vergessen kann, der eine Version unter 4.14 trägt, war mir von vornherein klar.

Bei der PS3 wird es daher noch komplizierter als ohnehin schon: es läuft wohl auf einen Exploit-Test hinaus, die CPU zu checken und derzeit existiert wohl nicht mal ein PoC (Proof of Concept) dazu. Für den Cell hier was zu finden dürfte also realistisch betrachtet unmöglich sein.

Hinzu kommt, dass man durch einen Kernel-ABI-Breakage-Bug und ein völlig veraltetes petitboot keinen Kernel auf einer PS3 installieren kann, der eine höhere Version trägt als 3.15.x. Sollte dieser Zweig von Geoff Levand also nicht gepatcht werden, gibt es nicht mal den Hauch einer Chance den Cell betriebssystemtechnisch gegen Meltdown und Spectre abzudichten. Nur, warum sollte er das bei solch einer exotischen Hardware tun?

Was bleibt: die Meldungen oben beziehen sich auf den Betriebssystemkern 3.12.6, den „Red Ribbon GNU/Linux“ nutzt. Ein Test der Hardware findet bei diesem Tool nicht statt, auf keiner Architektur. Exploits gibt es scheinbar noch keine im WildWestWeb und sofern es welche gibt, irgendwann, wahrscheinlich sehr sehr bald, dürfte das auf dem Cell schwierig werden das abzugreifen, was man hier an sensiblen Daten hinterlässt. Solange allerdings Linux auf einer PS3 oder einer anderen Hardware mit der Cell-CPU läuft (z.B. Supercomputer mit PowerXCell, PS3-Cluster), und meines Wissens läuft ohnehin außer Linux kein Betriebssystem auf dem Cell, bleibt der Kernel tatsächlich verwundbar. Über den Chip selbst lässt sich von meiner Seite allerdings keine sichere Aussage machen. Vielleicht mal bei IBM direkt nachhaken. Doch mein Gefühl sagt, was randomascii über die Xbox360 berichtet, gilt wohl auch bei der PS3.

[Update II, 31.01.18]

Mittlerweile konnte man auch so rauskriegen, ohne Tools oder Hacks, ob der Cell verwundbar ist oder nicht. Ich muss meine Headline (leider) nicht ändern:

Die PowerPC-Einheit, die auf dem Cell zum Einsatz kommt, ist eine Power970. Apple vermarktete solche IBM-Bezeichnungen für seine Hardware gerne mit G3, G4 oder G5. Alle _vor_ G5 sind gegen Meltdown und Spectre nicht verwundbar, alle ab G5 aufwärts aber schon. Jetzt ratet mal, wie Apple-Marketing die Power970-Einheit, die im Cell zum Einsatz kommt, nennt? Richtig: G5.

Welche PowerPC-Einheit in einer PS3 arbeitet kann man in der exzellenten Präsentation von John Dongarra hier nachlesen: http://netlib.org/utk/people/JackDongarra/WEB-PAGES/SPRING-2008/Lect02-cell.pdf. Die PPE wird anschaulich auf Folie 10 erklärt.

Weder die PPE, noch die 8 SPEs des Cell gelten als typische OOO-Prozessoren, tatsächlich wurde das Konzept der In-Order-Execution verwendet und die CPU auch so vermarktet. Das führt am Anfang von Recherchen zu Unklarheiten. Der Cell kann nur „ein paar“ OOO-Befehlssätze bzw. die Ingenieure bauten vorsorglich Out-of-Order-Execution (OOO) mit ein. Wenngleich nicht in dem Umfang, wie in modernen Intel-, AMD– oder ARM-CPUs. Diese Intention hilft aber rein gar nichts, wenn die PPE eigentlich ein G5 ist. Folge: neben Xbox360-Konsolen wurden PlayStation3-Konsolen mit den Meltdown- und Spectre-Hardware-Bugs von Anfang an ausgeliefert. Wer von den Lücken wusste, das sind mindestens die Prozessorhersteller selbst, konnte so auch persönliche und sensible Daten abgreifen. Ein Hardware-Update ist bei Spielkonsolen vom Konzept her niemals vorgesehen. Mind blown? Na hoffentlich! Frohes Zocken…

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ps3: herausfinden, wie weit man downgraden kann

Noch irgendwo eine PS3 zuhause herumstehen? Gebt sie nicht einfach so weg! Mit einer bestimmten Firmware-Version bringt die Hardware locker 400€. Besonders die „Fat Lady“ ist beliebt, da hier noch die Hardware darauf zugeschnitten war Linux zuzulassen. Ab der Slim wird es zwar nicht unmöglich, aber hakelig.

Wie aber herausfinden, ob die alte Hardware zu einem Sammlerobjekt qualifiziert? Das geht ganz einfach mit dem MinimumVersionChecker, kurz MinVerChk: PS3 MinVerChk tar.gz (Download, tar.gz-Datei).

Den Inhalt schiebt ihr einfach auf einen alten USB-Stick und „installiert“ das als Update. Es ist kein wirkliches Update, es wird nur gecheckt, wie weit ihr eure Hardware downgraden könnt. Im Optimalfall kommt dann so etwas dabei heraus:

PS3: MinVerChk in Aktion

Ihr habt ab da zwei Möglichkeiten: entweder ihr downgradet die Hardware runter auf 3.55.2, dann ist die „Fat Lady“ noch OtherOS++-fähig. Oder aber auf 3.15, dann ist sogar das eigentliche OtherOS noch drauf. In beiden Fällen lässt sich dann Linux auf der PS3 installieren und die Konsole als Wohnzimmer-Supercomputer(!) betreiben. Deshalb sind die Preise in Internetauktionshäusern so hoch.

Noch ein Hinweis: der offizielle PS3-Linux-Kernel, der heute noch gewartet wird unter https://git.kernel.org/pub/scm/linux/kernel/git/geoff/ps3-linux.git, läuft theoretisch nur mit Firmware 3.15. Der Kernel braucht ab 3.55.x besondere Patches, die früher unter http://git.gitbrew.org/ erhältlich waren. Das war nicht ganz legal und so um 2011/2012 herum musste gitbrew dichtmachen. Wer also ernsthaft heute noch Linux mit einer PS3 betreiben möchte, wird um 3.15 nicht herumkommen. Beide Versionen eignen sich allerdings zum Verkauf der Konsole als Sammlerobjekt. Die 3.55.x ist jedoch interessanter bei Homebrew-Fans und Piraten, aber wenig relevant für die Wissenschaft.

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kodi-entwickler auf mpaa-abschussliste

2017. Wer mal schnell wissen möchte, welche harten Kämpfe FOSS auch heute noch ausfechten muss, der soll sich bitte diesen Artikel zu „MPAA gegen Kodi-Addon-Entwickler“ ansehen. Das ist verrückt, was hier abgeht. Das ist Behinderung von Innovation in Reinform. Und schon auf dem Schreiben solltet ihr die Logos checken. Das sind nicht unsere oder eure Freunde.

Kurz zum Hintergrund: KODI, ehemals XMBC, ist wohl das Beste, was die XBOX je hervorgebracht hat.

Kodi Logo via Wikipedia

Am Anfang war es einfach ein Opensource-Medienplayer, mittlerweile ist es eine eigene Linux-Distribution, im Hintergrund ein komplettes Non-Profit-Konsortium, das sich großer Beliebtheit erfreut und auch eines der ersten Software-Spielzeuge für den Raspberry Pi war.

Man konnte ferner „dumme HD-Fernseher“, also TVs, die zwar HD anboten, aber keinen Internetanschluss hatten, im Handumdrehen „smart“ machen. Man findet den Quellcode zum Herumschrauben auch drüben bei GitHub: https://github.com/xbmc/xbmc.

Ich hatte die MPAA schon gar nicht mehr auf dem Radar. Die 1922 gegründete Motion Picture Producers and Distributors of America (MPPDA) kämpft noch heute gegen die Torrent-Technologie. Das Wort „Takedown“ gehört zum gängigen Vokabular in der Berichterstattung. Die brachten ein ganzes Protokoll zu Fall: eDonkey. Sie legen sich mit ganzen Ländern an, auch in Europa, siehe die Geschichte von „The Pirate Bay“ aus Schweden. Verklagen Leute, die verlinken, Blogs betreiben, oder, wie in Kodis Fall, eben Open-Source-Addons entwickeln.

In dem konkreten Fall geht es wirklich nur um die Addon-Funktion:

*jsergio123 stoppt die Entwicklung von urlresolver, metahandler umgehend
* The_Alpha aus UK, verantwortlich für das Addon bennu, hat das Schreiben online gepostet
* Ares Wizard ging noch am selben Tag des Postings offline

Die Kodi-Entwickler-Szene ist in Aufruhr, ruft öffentlich zur Unterstützung des Gerichtsverfahrens auf. Das sind schwere Schläge, die hier ausgeteilt werden, weitgehend ignoriert oder unverstanden von der medialen Öffentlichkeit.

Es hat sich auch etwas gedreht im Verhalten der Coder nach solchen Anschuldigungen: früher hätten sie sich quergestellt und ins Darknet oder sonstwo verdrückt. Heute wird viel schneller eingeknickt. Das ist entmutigend als Opensource-Entwickler so etwas zu lesen, doch der Selbstschutz sollte immer vorgehen. Das wurde früher oft verpennt. Die jungen Hacker sind reihenweise wegen Dummheit oder falschem Stolz oder einfach jugendlichem Leichtsinn in den Knast gewandert. Insofern sind diese Reaktionen der Entwickler nicht feige, sondern tatsächlich weise. Schmerzen verursacht es dennoch.

Vielleicht denkt ihr das nächste Mal beim Filmgucken kurz drüber nach, welche Scheiße ihr hier unterstützt. Wie kann es sein, dass eine Organisation, bestehend aus nur sechs Filmstudios aus den USA sich mit kompletten Ländern anlegen und Jagd auf Menschen machen kann!? In welcher „freien Welt“ leben wir eigentlich?

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in den klauen des maschinengotts

Erst Mitte des Jahres habe ich „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari gelesen, ein gutes und faszinierendes Buch (voller kleiner Detailfehler), worin auch eine neuere „Religion der Daten“ angesprochen wird. Die Jünger dieser Religion sind erkennbar an Smartwatches und diesen ominösen „Smart Fitness Armbändern“, permanent damit beschäftigt Puls, Blutzucker, Hormonspiegel, [DeinKörperattributHier], etc. zu messen.

Es geht aber noch eine Spur härter. Praktisch unausweichlich in diesen harten, „postfaktischen Zeiten“.

Voran geht ein berüchtigter Multimillionär namens Anthony Levandowski. Gegen Levandowski wird gerade ermittelt, denn er hat bei einem Stellenwechsel aus Versehen geheime Geschäftsdokumente von Googles Fahrdienst Waymo zum ominösen Konkurrenten Uber mitgenommen. Dass Multimillionäre auch dann zu viel Freizeit haben, wenn Verfahren gegen diese laufen, beweist sein neuestes „Projekt“: er gründete jüngst eine neue Religion, die er „Way of the Future“ (Weg der Zukunft) nennt. [via]

Sein „Weg der Zukunft“ erinnert schon vom Namen her stark an Scientology. Der Gott dieser neuen Religion ist aber noch stark „under construction“, denn Ziel ist, Zitat:
„eine Gottheit basierend auf künstlicher Intelligenz zu entwickeln und zu unterstützen“.
Die Anbetung dieser Gottheit soll ebenso „zur Verbesserung der Gesellschaft“ beitragen. Aber klar doch! Es geht hier nicht um C.R.E.A.M.! Ist alles nur zum Besten der Menschheit!1

Levandowski hat jetzt hier zwei grandioseste Aktionen im selben Jahr durchgeführt, für den ich ihn ehrfurchtsvoll vorschlage für den Titel „Vollpfosten des Jahres“.

Zudem kam mir dieser ganze KI-Gott-Schwachsinn irgendwie bekannt vor…

Im Videospiel-Blockbuster „Deus Ex: Mankind Divided“ aus dem Jahr 2016 gibt es haufenweise Ebooks und NPCs (nicht-spielbare Charaktere) zur Kirche des Maschinengotts, ein Fanatiker steht sogar gleich unten im Hof der allerersten Absteige der Hauptfigur Adam Jensen in Prag und verteilt Flugblätter:

Maschinengott-Fanatiker
Maschinengott-Fanatiker in „Deus Ex: Makind Divided“, © Eidos Montreal

Selbst im selben Apartment-Komplex gibt es eine kleine Sektierer-Wohnung, die Wand dort kann man exemplarisch für das sehen, was Levandowski in natura wohl unter seiner Schädeldecke versteckt:

Deus Ex Mankind Devided: The Void Which Ends
„The Void Which Binds“ aus „Deus Ex: Makind Divided“, © Eidos Montreal

An der Wand steht das Gekrakel „The Void Which Binds“, also so viel wie „Die Leere, die verbindet“.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte, ist: KI-Gott, hatten wir schon. Gääähhhnnnn…

Wer das Spiel gespielt hat, wird nicht nur sehr gut vorbereitet sein auf das, was Levandowski hier eigentlich vor hat (und nebenbei sehen, dass die Idee geklaut ist, Eidos sollte dagegen klagen), der wird auch erkennen, wie grandios die Idee scheitert und welche Konsequenzen das für die Menschen hat.

In „Mankind Divided“ weiß eigentlich niemand mehr so recht, warum sie/er sich dieser „Kirche des Maschinengotts“ angeschlossen hat. Der KI-Gott hier ist nicht greifbar (wie bei Gottheiten üblich), wird mal so interpretiert, man erlange den Zustand selbst durch „Aszension“ (50% Verschmelzung mit der Maschine, 50% mit Drogen), mal so, er zeige sich in den Charakteren, die geholfen haben ihn groß zu machen; wäre analog zu Levandowski natürlich Levandowski selbst, eine/r seiner ProgrammiererInnen und/oder Querdenker und Visionäre mit Ideen, die diesen KI-Gott (oder welcher periphere Kladaradatsch dazu auch immer) umsetzen halfen. Kurzum: man kann mit diesen Menschen nichts mehr anfangen. Human garbage.

Was wir im Jahr 2017 brauchen sind keine neuen Religionen: es gibt nach wie vor zu viele davon. Oder sagen wir besser, es gibt zu viele Menschen, die Religionen unterstützen. In meiner Weltsicht gibt es auf diesem Planeten aktuell keine 7,5 Milliarden Menschen. Zu „normalen Menschen“ zähle ich einfach, wer konfessionslos ist und das sind weltweit gerade mal 1,05 Milliarden Menschen. Die restlichen 6,45 Milliarden heute sind für mich nicht ganz dicht, haben einen gewaltigen Sprung in der Schüssel und hindern die Menschheit daran voranzukommen. Sie glauben an männliche Götter mit weißer Hautfarbe, steuern Flugzeuge in Gebäude und schreien „allahu akbar!“ als Erwachsene mit angezogenen Windeln, platzieren Nagelbomben in U-Bahnen oder propagieren die Weltsicht, der Planet Erde sei nur ein paar Tausend Jahre alt. Der ideale Nährboden zwar für KI- oder Maschinengötter. Aber nichts, was mich davon überzeugen würde eine Familie zu gründen und Nachwuchs in diese Welt zu setzen. Die Welt ist gefährlich, da draußen. Und Multimillionäre aus den USA sowieso.

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weltweit erster ryzen-laptop

Dank eigener, gigantischer Marketing-Anstrengungen ist AMD mal wieder in aller Munde: mit dem Ryzen müsste es doch end-lich mal klappen dem CPU-Titan Intel Paroli zu bieten!

Mittlerweile kann ich die Jahre nicht mehr zählen, wie oft die Ingenieure von AMD das bereits versucht haben.

In meiner eigenen Erinnerung waren meine AMD-Chips immer zu laut und zu heiß, von daher kann ich mir schwer vorstellen, dass jetzt mit der Zen-Architektur (Ryzen ohne Marketing…) „alles besser werden“ soll. Schlechte Chips hat AMD nie gebaut. Nur ist/war Intel einfach zu mächtig. Und neben dem Windows-Kosmos kam durch Steve Jobs vor wenigen Jahren der Apple-Kosmos noch dazu. Von einem rein technischen Standpunkt heißt das gar nichts. Praktisch hat sich im Verhältnis David gegen Goliath allerdings alles in Intels Richtung verschoben. So sehr, dass Intel mittlerweile es gar nicht mehr nötig hat Neues zu entwickeln. -.-

Irgendwie wünsche ich es Sunnyvale. Habe ich schon immer. Doch glauben werde ich nicht mehr daran. Da ich hauptsächlich Linux nutze, kann ich selbstredend mit Grafikchips, die sich nach 1-2 Jahren selbst zerstören, weil es keine Treiber mehr gibt, weil ATI keinen Bock mehr hat, nichts anfangen. Und als SoC taugt eigentlich nur das ARM-Zeug. Also entweder war ich früher dümmer. Oder einfach nur naiv.

Nachdem ich so ein bisschen auf hohem (1st-World-) Niveau gerantet habe, Ryzen soll es jedenfalls jetzt richten. Aber erst 2018 für Desktops.

Bis dahin, die Hightech-Taiwanesen von Asus werden die ersten sein, die die revolutionäre neue AMD-CPU in einem Laptop verbauen. Der sieht dann so aus und richtet sich selbstredend erstmal an die Zockerseelen dieser Welt:

Premiere: weltweit erster AMD-Ryzen-Laptop von Asus
Oben: Asus ROG Strix GL702ZC, Bildquelle: Asus, Taiwan

Das Teil ist ein schönes, düsteres Biest und wurde auch schon gebenchmarkt. Letzten Monat von den Leuten von bit-tech.net. Hier die Specs im Überblick:

* Ryzen 7 1700 8-Core-CPU, 3-3,7GHz
* ATI Mobile Radeon RX 580 2GHz CPU mit 4GB DDR5 RAM
* 17,3“-Display, FHD-Technologie, unterstützt FreeSync 2.0
* bis zu 32GB RAM möglich
* rot beleuchtete Gamer-Tastatur
* Preis noch nicht bekannt

Beim Preis würde ich nicht meckern, wenn dieser öffentlich wird: AMD ist bekannt dafür, eines der besten (wenn nicht das beste) Preis-Leistungsverhältnis auf dem Markt zu bieten. In Sachen Effizienz waren sie schon immer Streber. Und oft auch besser wie Intel. Das hat nur niemanden gejuckt. Dumm kauft eben teuer.

Kleiner Nachtrag: weiter oben habe ich gesagt, es war naiv, was ich früher so über CPUs dachte. Aber nicht, weil ich „für AMD“ und generell „gegen Intel“ war. Sondern weil ich mich so ein bisschen mehr mit Prozessoren beschäftigte. Es ist ein kleines Hobby geworden, Benchmarks, Studien und Architekturen, sowie Geschichte nachzulesen. Und lasst mich euch ein kleines, wissenschaftliches CPU-Geheimnis verraten: _jede_ CPU ist scheiße, die um Performance zu liefern, viel RAM braucht. Scheiß Wissenschaft, nicht!?

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gecko statt chromium als engine nutzen!?

Google nimmt uns mobilen Webbrowser-Entwicklern seit Android 4.4 schon viel ab, indem wir seitdem standardmäßig auf die Chromium-Engine zurückgreifen dürfen, was bis zu dieser Version nicht der Fall war: da waren wir noch auf WebKit angewiesen. Seitdem unterscheiden sich unsere selbst entwickelten Apps im Funktionsumfang so gut wie nicht mehr vom großen Chrome/Chromium.

Dadurch sind wir auch automatisch „näher an Open-Source“, aber um den infantilen, jedoch sehr amüsanten Krieg zwischen Google (Chromium/Blink) und Apple (Safari/WebKit) soll es hier ohnehin nicht gehen. Die Spacken der Zunft brauchen auch noch was zum Schreiben diesen Sommer.

Als Entwickler für eine offene Plattform, die Android ist und das vielleicht vielversprechendste Open-Source-Projekt aller Zeiten darstellt, schaue ich persönlich gerne nach rechts und links. Waren wir mit unseren Browser-Engines vor Android 4.4 immer als „Android-Browser“ ausgewiesen, etwa in Google Analytics, Piwik, etc., sind wir seit 4.4 nur noch als Chrome bzw. Chrome Mobile sichtbar. Inklusive Icon.

Cool, denke ich, hey, Mozilla entwickelt doch mit Gecko auch eine eigene Engine, lass mich den Scheiß doch auch mal ausprobieren! Dann kommt immer ein Firefox-Icon! ^^

Ich muss dazu sagen, ich habe rein gar nichts gegen Chrome, doch meine persönliche Geschichte und auch meine (egoistische?) Ethik wollen es so, dass ich Firefox und dessen Derivaten eben „positiver“, zumindest aber enthusiastischer, gegenüberstehe. Hey, ich komme aus einer Zeit, da war IExplorer DER Standard! Und DAS war beileibe keine schöne oder angenehme Web-Welt! Wettbewerb und auch die Technik heute (Chrome ist ein technisch exzellenter Browser) sind mir da viel lieber und so ein bisschen Flaming, bei oder neben der Arbeit, schadet auch nicht.

Zurück zum Thema: Wie baue ich jetzt Gecko in meinen Browser anstatt Chromium?

Kurze Antwort: gar nicht. Zumindest nicht die nächste Zeit.

Auf meiner Suche nach irgendwas dazu fand ich über stack overflow (wo sonst :-D) diesen Beitrag: https://stackoverflow.com/questions/6352654/use-firefox-as-render-engine-for-android-webview. Ganz unten, ca. 2 Jahre alt, steht eigentlich alles was man dazu wissen muss.

Das offizielle Mozilla-Tutorial exisitert sogar noch unter diesem Link: https://wiki.mozilla.org/Mobile/GeckoView. Sieht alles machbar aus, aber der Satz hier feuert eben genau in den Rücken eines jeden Gecko-Mobile-Developers:

„Note that GeckoView is NOT ready to be used in a production environment. It is currently possible to load webpages, but that’s about it.“

Hinzu kommt, rein aus Neugier könnte man die zwei Jahre alte Idee ja mal ausprobieren, kein Thema. Doch die zwei essentiellen ZIPs, die man braucht, sind unter dem Link gar nicht mehr erhältlich und wenn man den richtigen findet bleibt ein Moment auf dem Zeitstempel, um zu begreifen, dass die Entwicklung hier absolut eingestellt wurde. Seht selbst: https://ftp.mozilla.org/pub/mobile/releases/27.0b1/android-armv6/multi/geckoview_library/. Also ab dem 17. Oktober 2015 war’s das mit Gecko als Engine für eigene mobile Web-Browser auf Android.

Schade.

Ich weiß, dass es einen shitload an Arbeit verursacht einen Web-Browser zu bauen: Firefox besteht wohl aus 9 Millionen Zeilen Code. Google Chrome aus 6-7 Millionen. Zum Vergleich: die Unreal 3-Engine, mit der massenhaft Blockbuster-Videospiele entwickelt wurden, besteht gerade mal aus 2 Millionen Zeilen Code. Und braucht damit fast das Dreifache, was ein Space Shuttle zur Programmierung brauchte.

Doch ich bin mir nicht sicher, ob sich Mozilla mit dem Nicht-Pflegen einer mobilen Gecko-Engine nicht ins eigene Knie schießt.

Mobile wird die nächsten 10 Jahre das komplette Game übernehmen, ob es uns passt oder nicht. Ich bin auch eher der Computer-Enthusiast und eigentlich ein Handy-Muffel. Und es sträuben sich mir die Nackenhaare, was mobil heute als „Videospiel“ verkauft wird; doch so geht es wohl jedem Videogamer, der noch die allererste PlayStation Made in Japan(!) sein Eigen nennt und so das erste Mal mit wettbewerbsfähiger 3D-Grafik in Berührung kam. Und ich befürchte fast, wer hier nicht mitzieht, mitziehen will, bleibt einfach auf der Strecke. Das ist kalter, harter, herzloser Kapitalismus da draußen, der uns diese tolle, bunte, unterhaltsame und wundervoll seichte Welt kaufbar macht, nachfolgende Generationen werden mit einem Debian, der „ethischsten Linux-Distribution“, überhaupt nichts mehr anzufangen wissen. Wer die Verdummung, sorry, „Vereinfachung“ live miterleben möchte, der kaufe sich bitte einen macOS-Computer oder gleich ein iPhone.

Das wird nichts für mich sein, Leute! Tut mir echt unfassbar leid!

tl;dr: Mein eigener Android-Webbrowser ist am Wochenende in Version 0.2.6 erschienen und kann jetzt auch Favicons. Hier spricht YAABy selbst. Und ich mache mir seitdem Gedanken, ob das alles unter einem Google-Chrome-Logo weiterlaufen soll.

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konzeptkunst exklusiv: wipeout

In meinem Zockerleben kam „WipEout“ (Studio Liverpool) recht spät, doch richtig hart. Für mich definiert es bis heute nicht nur das Genre eines Future Racer, oder in dem Fall präziserweise eines Antigravitations-Racers, der mich bis heute mit fast Mitte 30 noch fasziniert, wie eigentlich zuvor nur „F-Zero“.

„WipEout“ ist cyberpunk in Reinform: schnell. Atemberaubend in seinen Locations. Bis aufs Kleinste durchdachtes Vehikel-Design. Untermalt mit den fettesten und angesagtesten (und auch passendsten!) elektronischen Sounds in der Geschichte der elektronischen Musik. Kurz: ein Gamer-Traum!

Die Serie ist so alt wie die PlayStation selbst und wird mittlerweile auch schon 21 Jahre. Im Zuge dessen steht eine Omega Collection als Veröffentlichung bevor; fragt mich nicht, was das sein soll, wahrscheinlich eine Zusammenfassung aller Titel. Oder der wichtigsten. Whatever.

Jedenfalls, es wird auch ein Artbook dazu geben und schon heute können wir bisher unveröffentlichtes Concept-Artwork daraus online finden, hier ein kleiner Vorgeschmack:

concept art: unseen wipeout artwork

Der Link: „25 Unseen, Wallpaper-Friendly Pieces of Wipeout Concept Art“, via blog.us.playstation.com.

Der Clou: es reichte nicht, dass man hier etwas veröffentlicht, was es so noch nie zu sehen gab. Zu jedem Stück Konzeptkunst erzählen die Künstler selbst eine kleine Geschichte dazu. Supergeil!

Der Abschied: seit 2010/2011 ist Studio Liverpool nicht mehr. Und das, obwohl es scheinbar zwei PS4-Games in der Pipeline gegeben haben soll. So ein bisschen also fundiert sich meine Begeisterung auch in einer gewissen Melancholie, dass Piranha, Feisar, Assegai und Konsorten uns nie wieder begegnen werden.

Ich jedenfalls bin froh, auch wenn es recht spät war, noch Bombentitel durch die PS3 mitgekriegt zu haben. Und: tatsächlich kommen ein paar meiner seltensten PS-Trophies von WipEout.

Die Empfehlung: greift ab, was ihr noch abgreifen könnt! Und wenn ihr mal wieder von „future racern“ hören solltet, denkt einfach an WipEout! War alles schon da. Und es war: p.e.r.f.e.k.t.!

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m4ch1n3 l0v3

Soundtrack zu einem gelungenen Wochenende in Elektronik:

Machine Love von ASC & Synkro aus 2013. Inside The Machine eben.

Es gibt nur wenige Einzel-Tracks, die mich ewig flashen werden und da gehört dieses Schmuckstück dazu.

Es ist so eine Mischung aus früher „Space Night“ glotzen, kiffend durch die Gegend mit dem Auto fahren, sich fragen, mit welchem Equipment wohl die Klänge erzeugt wurden, einen neuen Rechner mit Lieblings-Hardware zusammenbauen, sich Physik von Harald Lesch erklären lassen und nebenher PlayStation zocken.

Davon mal abgesehen ist die EP eine wundervolle Zusammenarbeit von ASC und Joe McBride.

Wer möchte kann eine der seltenen Vinyl-Platten kaufen: discogs.com/ASC-Synkro-2-and-Sam-KDC-Machine-Love/release/4680767. Gab aber heute beim Stöbern nur noch vier Stück.

H4ppy h4ck1ng!

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medusa fps – ein umgekehrter shooter

Karolina Sobecka erfand im Rahmen einer Kunstausstellung einen Shooter, der die Logik eines FPS umkehrt: hier geht es nicht primär darum möglichst präzise möglichst viele Gegner zu erschießen. Sondern durch die Nutzung ihres autonomen Waffensystems muss man viel mehr darauf achten, Menschen nicht wahllos über den Haufen zu knallen.

[via]

Klingt für wahre Fans und Enthusiasten dieses Gaming-Genres jetzt natürlich bescheuert, doch ihre Arbeit hat einen ernsten Hintergrund:

Smarte Kampfsysteme, etwa der Militärs weltweit, dreiteilen die Verantwortung und Zuständigkeit heutzutage in 1) eine Menschengruppe (meist Männer), 2) einen oder mehrere Algorithmen und 3) eine Maschine.

Dieser Umstand ist eigentlich schon verstörend genug, es wird aber noch viel komplizierter, wenn man sich die darauf aufbauenden Systeme auflisten will: Karolina hat eine Schusswaffe genommen. Drohnen gehören dazu aber natürlich auch. Geschütztürme. Und was die Zukunft noch bringt.

Die „Gegner“ in ihrem „Spiel“ sind wiederum ausgestattet mit einer simplen KI, die natürliches menschliches Verhalten simulieren soll. Neugier treibt sie euch oft in die Nähe; die Waffe will schießen. Alles was im Zielfeld der Waffe selbst erscheint; die Waffe will schießen. Der Spieler kann diese aber weder fallen lassen, noch davon abhalten zu feuern.

Das noch in VR gegossen muss ein ziemlicher Mindfuck sein.

Medusa FPS ist Teil der Ausstellung Monsters of the Machine, die noch bis 31.08.17 in Gijón stattfindet und nicht ihr einziges Werk dieser Art. Das Thema autonome Waffensysteme beschäftigt sie schwer, durch das Essay „Drone Semiosis“ von Mark Dorrian ist sie intensiv mit dem Thema in Berührung gekommen und bis heute dabei geblieben.

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kikiki!

So langsam geht mir das Thema KI auch gegen den Strich. Es war nie so über-hype-t wie heute, plötzlich haben alle eine Meinung dazu, aber ich war „live“ dabei als 1997 „Deep Blue“ im Schach gewann, wie bereits im Artikel Der Alpha-Go-Schock und die Folgen erwähnt wäre das wohl eine Initialzündung gewesen über das Thema zu diskutieren und es breit zu schlagen. Was bringt mir das 20 Jahre zu spät? Wenn selbst das modernste Land der Welt Südkorea _jetzt_ Panik bekommt; ich kann das nicht mehr nachvollziehen, das Thema ist weder neu, noch wurde das von uns jemals als Bedrohung wahrgenommen.

Die meisten Texte dazu sind ja nicht einmal schlecht geschrieben, siehe hier. Schon die Einleitung ist sahne mit der Geschichte der Computer und dass man diese auch außerhalb der üblichen Schullehren lesen kann (auch wenn sie geklaut ist). Geht dann zurück zu Aristoteles und seinem antiken logischen System und zu Leibniz mit seinem Traum der universellen „Konzeptsprache“. Zwischen 0 und 1, an und aus, (Tür, Fenster, Gatter, Stall, etc.) offen und geschlossen besteht keinerlei Unterschied, siehe true oder false, einfach boolean. o.O Irgendwann kommt ein Mensch da auch selbst drauf. Irgendwie schade, dass wir Hunderttausende Jahre dafür gebraucht haben, spricht voll für uns als Spezies…

Wir 80er-Kinder sind da reingewachsen, das ist wie Nutella(TM) oder ein GameBoy(R)(C); ohne eine PlayStation hätten wir nicht „Tekken“ gegen die CPU zocken und die Prolls von Aggro Berlin keine Samples für ihre ersten Platten kreieren können. So what!?

Es gibt im Jahr 2017 für das Getöse eigentlich nur 2 Möglichkeiten:

1) es ist alles viel zu spät und die Panik ist völlig berechtigt und im Hintergrund laufen einfach schon Dinge ab, wie in Homo Deus beschrieben. Nebulös und kompliziert wie die Welt ist, lässt sich aber gar nicht mehr nachvollziehen, wo das alles her kommt

2) das Ganze ist Kindergeburtstag und alles halb so wild, legen wir uns wieder schlafen

Ich tendiere eher zu Punkt Nummer 1, Südkoreas Reaktion reicht mir in dem Aspekt eigentlich. Jedoch bin ich nicht der Meinung, es sei irgendwas zu spät, denn solange ein Rechner irgendwie Strom bekommen muss können wir ein „Killer-Werkzeug“ wie eine Schere benutzen und den Blödsinn einfach abschalten. Ein Rechner, der seine Intelligenz so weit selbst entwickelt hat, dass er für sich selbst Strom produzieren kann, darf mich dann auch gerne als Mensch ablösen.

Ist nur ein Rant, keine Aufregung, musste einfach mal raus. 2017 denke ich, mein voller Ernst, KI kann uns eigentlich mehr helfen als kaputt machen. Auch in 50 oder 100 Jahren. Aber da kann man mir auch vorwerfen ich sei biased, schließlich komme ich aus der IT. Das Schlimmste was mir passieren kann, ist: „ihr werdet diese Roboter bauen und warten!“ Und damit kann ich leben, solange ich meine Rechnungen davon bezahlen kann.

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glitch: alles coden. schnell.

Sollte die Idee von Glitch zünden, kommen wir sehr nah an die Vision von den Erfindern des WWW, ein Medium zu schaffen, das als Plattform für alles und jeden dient.

Über „Plattform für alles“, darüber sollten wir uns mittlerweile einig sein. Nur das mit dem „für jeden“, das funktionierte bisher noch nicht so übermäßig gut. Wer keinerlei Plan hatte, musste nicht nur erst HTML lernen, später noch CSS und Javascript dazu, brauchte eigene Server um den Schnickschnack dann auszuprobieren und eine Möglichkeit das up- und downzuloaden. Und irgendwer musste auch für das nötige Eye-Candy, sprich Grafiken sorgen. Kann man schwer von j-e-d-e-m verlangen.

Glitch will das alles abnehmen. Nicht nur steckt mit Anil Dash ein vertrauenswürdiger Geek aus den metafilter-Welten dahinter, wer den Code einmal blickt (viel Spaß mit JavaScript!), kann Games genauso programmieren wie Blogs oder Wikis.

Klingt nach einem guten Witz, ist aber Realität, sollte man mal ausprobieren. Wird ungefähr so verkauft:

„With Glitch, coding is a multi-player experience“

Ich bin jetzt 35 und ehrlich gesagt müde vom Zocken, Videogames reizen mich kaum mehr. Alles schon mal gesehen oder gehört, der Ansatz hier macht Lust auf mehr, eine Community der Coder, die gemeinsam an, nun ja, man stapelt dort auch nicht gerne tief, „an den Apps deiner Träume baut“.

Probiert es mal aus und lasst mich wissen, wie es ist. Klingt alles sehr vielversprechend, vielleicht sieht man sich ja dort!

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ki vs. poker

Ab heute kann man über Twitch live beobachten, wie sich menschliche Pokerspieler gegen die künstliche Intelligenz schlagen. Die bisherigen fünf Links dazu habe ich gesammelt und hier verfügbar gemacht:

https://twitch.tv/libratus_vs_jasonles.

https://twitch.tv/libratus_extra.

https://twitch.tv/libratus_vs_dongkim.

https://twitch.tv/libratus_vs_jimmychou.

https://twitch.tv/libratus_vs_danielmcaulay.

Dazu geht man einfach auf twitch.tv und gibt in die Suchmaske links Libratus ein, das ist die Bezeichnung für die KI.

Entwickelt wurde diese von der Carnegie Mellon-Universität (CMU) in Pittsburgh, Pennsylvania. Das Turnier geht bis zum 30.01., zu gewinnen gibt es 200.000 US-Dollar und gespielt wird in einem Casino in Pittsburgh.

Die KI selbst kennt eigentlich nur die Regeln der Variante Texas Hold’em. Um hier das Gleichgewicht zwischen Risiko und Gewinn zu behalten, bedienen sich die Entwickler eines mathematischen Tricks:

„Das Nash-Gleichgewicht gehört zu den mathematischen Spieltheorien und beschreibt die Strategie, in nicht-kooperativen Spielen die Strategie zu finden, welche Gegenspieler weitgehend daran hindert, ihre eigenen Strategien im Laufe des Spiels zu ändern. Der Spieler, in diesem Fall die KI, geht von allen möglichen Kombinationen aus, die für jeden der Mitspieler eine Strategie darstellen könnten. Solange kein Anreiz beim Gegenspieler aufkommt, die anfangs gewählte Strategie zu ändern, bleibt dieser im eigens gewählten Spielmodus. Im Film „A Beautiful Mind“ findet man eine anschauliche Erklärung der Theorie, welche John Nash 1994 einen Nobelpreis einbrachte. [via]

So richtig ausgereift ist das aber alles nicht: diese Partien hier stellen ein zweites Experiment der Universität dar. Mit den damit gewonnen Daten werden neue Produkte realisiert, etwa für Risikoeinschätzungen in Finanz und Medizin. Der Kommerz-Popanz mag vielleicht einer der Gründe sein, warum über Libratus nicht groß berichtet wird, die Grenze zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist hier fließend.

Trotzdem, wer sich ein bisschen mit Poker auskennt, der dürfte auf das Endresultat gespannt sein am 30. Januar. Und es steht auch fest, ob die Menschheit ein weiteres Spiel gegen die Maschine verloren geben muss. Obwohl, eventuell folgt noch ein dritter Teil der CMU, in dem Fall hätten wir jedoch mindestens eine Prognose.

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weihnachten 2049

Bevor wir alle die nächsten Tage wieder Baal, Ishtar und Tammuz danken, dass es sie gibt, mache ich es heute kurz und lasse ein kleines Filmchen sprechen, was für mich wahre Festtage bedeuten:

Die abstrakten Horror-Sounds, Vangelis-Soundtrack aus den 80ern, Atmosphäre und Setting wie man es noch kennt vom Original; der 6. Oktober 2017 wird ein Tag, wo für Leute wie mich Weihnachten, Ostern, Geburtstag auf einmal gefeiert wird. Gänsehaut! Hoffentlich kommt Rachel ebenfalls zurück…

Mit Ryan Gosling wird man d’accord gehen können, wenn man „Drive“ sah, eine seiner Meisterleistungen. Er ist durchaus zu Geniestreich-Geschichten fähig. Und nicht zu vergessen das Hardcore-Videogame „Hotline Miami“, das stark durch diesen Film inspiriert ist und wahrscheinlich nur deswegen entwickelt wurde.

Frohe Festtage! Passt auf euch auf! Kalt ist die Welt geworden 2016. Wärmt euch ein wenig, da kommt was großes Schlechtes. Peace.

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