Archiv für Juni 2021

irc: vital. aber wohl ohne freenode.

Große Probleme für eine der ältesten und beliebtesten Internet-Apps:

Screenshot freenode Message aus Revolution Client

…hieß es plötzlich bei mir Mitte des Monats im Client Revolution, und da ist so viel verkehrt mit dieser in drei Teile gesplitteten Meldung. 🙁

1a) mit dem „Hort der Freiheit“ („freedom’s holdout“) kann es nicht weit her sein, wenn sich plötzlich, ohne dass wir IRC-Nutzer hier etwas beitragen können, die Architektur des Knotens ändert
1b) von „Freiheit“ kann auch keine Rede sein, wenn 20 von 30 freiwilligen Mitarbeitern einfach kündigen. Doch die hatten sich das nun auch fast vier Jahre lange genug mit angeschaut
2) „a new world“: nee nee, danke, echt, bitte nicht! Welche „neue Welt“ denn bitte, oje… Orwells Euphemismen ahoi, hier ist so viel falsch mit dem Statement, oh my…
3) „millions of others“: glaubt mir, ich wäre der letzte Mensch, der IRC nicht „Millionen Nutzer“ wünschen würde, aber das entspricht einfach nicht der Realität. Wir reden hier zwar von 24.000 Channels alleine auf freenode (also dem alten, vor der erzwungenen Umstellung, Stand 17.06.21), aber insgesamt, naja, schaut selbst mit Stand von Mitte Mai 2021:

Network Server IPv4 In round robin? Reported local users Reported global users NickServ?
New lux.freenode.net 54.37.136.225 Yes 241 1478
New passion.freenode.net 178.239.166.153 Yes 516 1483
New kodama.freenode.net 64.44.25.2 Yes 409 1495
New tildes.freenode.net 45.58.138.170 Yes 226 1491
Old rinnegan.freenode.net No 10350 26936 Y
Old ace.freenode.net No 2475 26930 Y
Old happytree.freenode.net No 5338 26922 Y
Old evilcorp.freenode.net No 7 7 N
Old hostsailor.freenode.net No 6404 26916 Y
Old niveus.freenode.net No 8583 8583 N
Old datapacket.freenode.net No 6 26907 Y

Doch, was zum Geier, war eigentlich mit dem 1994 gestarteten freenode-Server plötzlich passiert!?

Die Kurzform: feindliche Übernahme der gemeinnützigen Organisation. Die Langform: findet man in der verlinkten URL.

Und die F/OSS-Community war angepisst, zum Beispiel Wikimedia. Oder die Free Software Foundation Europe. Oder Ubuntu. Oder CentOS, FreeBSD, Gentoo Linux, Arch Linux, etc.

Was macht die F/OSS-Community in solchen Fällen? Klar, es ist alles F/OSS, es wird geforkt, also gibt es etwas Neues, es gibt nun Libera.

Nun also ein komplett neuer Server.
1994 in 2021.
Wieder alles von vorne.
Well, well…

Hier die Zugangsdaten für eure Clients:

Name: Libera
Server-Adresse: irc.libera.chat
Port 6697
SSL/TLS nutzen: ja

Die Arbeit endet hier jedoch nicht, denn leider könnt ihr registrierte Nicks und Aliase nicht einfach auf neue Server mitnehmen. Wenn ihr also einen registrierten Nick auf freenode hattet, müsst ihr diesen erneut bei Libera registrieren.

Das ist zwar kein Hexenwerk. Doch bei mir war das schon so lange her, ich musste das erst mal nachlesen. Ich erspare das anderen, hier was ihr machen müsst:

1. verbindet euch über den IRC-Client eurer Wahl mit den Zugangsdaten oben bei Libera
2. am besten geht ihr gleich in einen Kanal, z.B. #debian
3. tippt euren Wunsch-Alias/-Nickname ein, z.B. so: /nick MeinNick
4. registriert euren Nick: /msg NickServ REGISTER EuerPasswort eureEmail@provider.com
5. ihr bekommt eine (automatische) Email vom Libera-Support. Hier ist ein erneuter Befehl gelistet, den ihr wieder in den „Senden“-Bereich einfügen müsst, etwa so: /msg NickServ VERIFY REGISTER MeinNick Hab2tp3FNtrsGbGO
6. vergesst nicht, diese Nickdaten, also Nickname und euer selbstgewähltes Passwort, bei der Konfiguration des Server in eurem Client zu hinterlegen (mit SASL für euer Passwort). Sonst bekommt ihr bei jeder IRC-Kanalverbindung eine Meldung, dass der Nick bereits vergeben ist. Das kann sehr nervig werden, z.B. wenn ihr mit dem Smartphone oft an Arbeitsplätzen oder zuhause zwischen WLANs und mobilen Internetverbindungen hin- und herwechselt

Nun, das war’s. Zum Glück.

Vielleicht wollt ihr euren freenode-Nick einfach so lassen und umziehen, damit ihr auf dem neuen Server in euren Lieblingskanälen erkannt werdet. Und noch was: es kann sein, dass euer Lieblingskanal noch gar nicht umgezogen ist. In dem Fall lohnt es sich noch ein paar Wochen zusätzlich im freenode herumzulurken, ihr bekommt das ja mit, wenn die Admins hier die neuen Kanäle diskutieren. War zumindest öfter bei mir so. Wenn das alle gemacht haben, so in ein paar Wochen bis Monaten, könnt ihr ja die freenode-Konfig final aus euren Clients herauslöschen. 🙂

Tjop, was soll’s. Freenode ist tot, lang lebe Libera, oder wie war das?

P.S.: hier noch ein sehr lesenswerter Text mit einer weiteren Zusammenfassung der Problematik und auch wie schizophren das alles mit freenode ist. Einzig, ein Suizid war das nach den mir vorliegenden Quellen nicht. :-/

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gestaltwandler-prozessor

Im Webland passiert aktuell sehr viel, man könnte meinen, die Pandemie sei bereits vorbei. Das ist echt gut, denn dadurch fällt es seit wenigen Wochen wieder etwas leichter v.a. technische Themen zu finden und diese auch hier voranzubringen!

Eines davon sei heute vorgestellt: Projekt Morpheus.

Von den Ingenieuren, die einst die Architektur des Internets entwickelten, der DARPA, kommt ein vielversprechender neuer Prozessor, der garstigen Angriffsvektoren wie Meltdown und Spectre den Garaus machen soll.

Das schafft dieser dadurch, indem er einfach dauernd und zufällig die CPU-Architektur ändert.

Das macht er nicht in Minuten. Auch nicht in Sekunden. Sondern in Millisekunden.

Der Bericht: https://theconversation.com/shape-shifting-computer-chip-thwarts-an-army-of-hackers-159990.

Erst letzten Sommer sollen 525 IT-Sicherheitsexperten über drei Monate hinweg versucht haben diese CPU zu hacken – wohl vergeblich. Daraufhin gab es von der DARPA selbst auch erst im Januar offizielle Ergebnisse in einem Paper.

Es gibt dazu oftmals kritische Stimmen in meinem Hinterkopf, wenn die DARPA etwas macht, so auch hier: „wenn sich dauernd, innerhalb von Millisekunden meine CPU-Architektur ändert, wie soll ich bitte dafür etwas programmieren, geschweige denn dauerhaft laufen lassen!?“ Doch auch hier scheint es bereits eine Antwort zu geben:

„…this happens at the microarchitecture level, software running on the processor is unaffected“

Glaube ich dennoch erst, wenn ich es sehe.

Und auch diese neuartige „Gestaltwandler-CPU“ kostet hardwareseitig was, nämlich 10% Einbußen der Prozessorperformance. Das kann uns heute bei n Kernen pro CPU allerdings IMHO herzlich egal sein.

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die sprache des waldes

Audiovisuelle Übersetzung der Sprache des Waldes:

Für diese Installation zeigt sich das Künstlerkollektiv Tundra verantwortlich. Im Werk oben wurden diverse Orte aufgenommen und durch einen intern entwickelten Algorithmus verarbeitet. Wer schonmal von der Tonleiter gehört hat, wird sich hierunter etwas vorstellen können.

Bunt. Cool. Aber auch irgendwie creepy.

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